Schweizer Sportvereine – Zahlen und Fakten

24. July 2009 1 By blogstone

Markus Lamprecht und Hanspeter Stamm haben im Jahr 1997 eine umfassende Studie mit 1‘481 Schweizer Sportvereinen durchgeführt. In Anbetracht, dass sich Vereine in der Schweiz nicht in ein Register eintragen müssen und es somit keine Übersicht über die Anzahl Vereine in der Schweiz gibt, zeigt die Studie interessante Themen auf. Auch wenn die Studie schon wieder 12 Jahre alt ist, bin ich der Meinung, dass sich die Inhalte nicht gross verändert haben. Auszüge aus der Studie „Die Situation der Sportvereine in der Schweiz“:

Gründung der Vereine
Schützen- und Turnvereine gibt es in der Schweiz seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts haben sich in der Schweiz zunehmend auch die aus England stammenden Sportarten (wie Fussball, Tennis, Rudern etc.) ausgebreitet. Die Zahl der Vereinsgründungen nahm ab der Mitte des 19. Jahrhunderts stetig zu. Die eigentlichen Boomjahre des organisierten Sports können aber die 1960er und 1970er Jahre bezeichnet werden. Die älteren Vereine sind in der Regel auch die grösseren Vereine. Die vor der Jahrhundertwende gegründeten Vereine haben im Durchschnitt rund zweieinhalbmal so viele Mitglieder wie die jüngsten Vereine und sind immerhin rund doppelt so gross wie diejenigen, die nach 1960 gegründet wurden. Das heisst: Vereine werden normalerweise als kleinere Einheiten gegründet und benötigen eine gewisse Zeit bis sie genügend etabliert sind sowie genügend Erfahrungen und Kompetenzen angereichert haben, um für einen markanten Mitgliederzuwachs gerüstet zu sein. Wachstum ist zudem mit interner Differenzierung verbunden. Bei den älteren Traditionsvereinen handelt es sich weitaus häufiger um Mehrspartenvereine mit verschiedenen Abteilungen. Junge Vereine sind dagegen fast ausschliesslich Einspartenvereine.

Anzahl Mitglieder
Durchschnittlich hat ein Verein 163 Mitglieder. Die durchschnittliche Mitgliederzahl ist jedoch wenig aussagekräftig, da es viele kleinere und einige wenige sehr grosse Vereine (bis 3500 Mitglieder) gibt. Nahezu die Hälfte der Sportvereine weist weniger als 100 Mitglieder auf, während Vereine mit mehr als 300 Mitgliedern selten sind. Betrachtet man den Anteil der Vereine und den Anteil der Vereinsmitglieder bezogen auf die Gemeindegrössen, so zeigt sich, dass der Organisationsgrad und die Mitgliederdichte in Sportvereinen mit zunehmender Grösse der Gemeinde sinkt. In kleinen Gemeinden finden wir prozentual mehr Sportvereine und auch etwas mehr Vereinsmitglieder als in grossen Gemeinden. Da grosse Gemeinden auch mehr Grossvereine aufweisen, ist der Unterschied bezüglich der Anzahl Vereine grösser als bezüglich der Vereinsmitglieder.

Wie erwartet schwächt sich die Mitgliederzunahme mit dem Alter der Mitglieder ab. Allerdings sind es nicht die älteren Mitglieder, die den Verein besonders häufig verlassen, sondern Jugendliche im Alter zwischen 11 und 20 Jahren. Obwohl die Eintritte die Austritte problemlos wettmachen, sind die hohen Fluktuationsraten für den einzelnen Verein nicht unproblematisch. Die „lebenslange“ Vereinstreue scheint mehr und mehr zur Illusion zu werden, denn die Suche nach dem optimalen Sportangebot ist gerade bei Jugendlichen sehr häufig mit Wechseln verbunden. Gerade bei den jungen Vereinsmitgliedern ist die Fluktuation hoch. Die Kinder treten zwar immer früher in einen Verein ein. Die Dauer der Mitgliedschaft dagegen verkürzt sich. Die Vereinsmitgliedschaft wird unverbindlicher, und auf dem Weg zum „ultimativen“ Sportangebot haben auch mehrmalige Vereinswechsel keine Seltenheit.

Finanzielle Situation
Bei den Ausgaben sind die Zahlungen an Sportler, Trainer und Betreuer von grosser Bedeutung. Der Stellenwert dieser Zahlungen bedeutet allerdings keineswegs eine Aushöhlung der Ehrenamtlichkeit, handelt es sich bei diesen Ausgaben in der Regel doch lediglich um relativ geringe Spesenentschädigungen (Transport, Material etc.) und kaum je um Saläre im engeren Sinne. Trotzdem machen Verwaltungsausgaben fast 15 % (Verwaltungspersonal/Entschädigungen 6.7% und allgemeine Verwaltungskosten 7.5%) am Anteil an den Gesamteinnahmen aus. Interessant ist der verhältnismässig geringe Anteil der Kosten für Anlagen, der im Sinne einer starken indirekten Subvention durch die öffentliche Hand gelesen werden kann und die begrenzten Einnahmen aus öffentlichen Zuschüssen kompensiert. Aus den im Verhältnis zu den Zinsausgaben höheren Zins- und Mieteinnahmen kann zudem abgelesen werden, dass viele Vereine über ein erhebliches finanzielles Polster verfügen. Zwar bezeichnen 43% der Vereine das Erzielen höherer Einnahmen als eine ihrer Hauptaufgaben,nur jeder Fünfte muss sich aber tatsächlich mit der Schuldentilgung herumschlagen.

Vereinsarbeit
In den 1481 untersuchten Vereinen werden insgesamt 23’000 Chargen durch ehrenamtliche Mitarbeiter besetzt, die pro Monat über 260’000 Arbeitsstunden leisten. Dies entspricht über 3 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr oder dem Äquivalent von über 1’500 Vollzeitstellen. Auf die Gesamtzahl der schweizerischen Sportvereine hochgerechnet, entspricht dies rund 24’000 Vollzeitstellen oder – je nach gewähltem Ansatz – einem Marktwert von zwischen 1.5 Mrd. und 2 Mrd. Franken. Angesichts dieser Zahlen erstaunt es nicht, dass 86% der befragten Vereinsverantwortlichen sagen, ihr Verein lebe in erster Linie von der Mitarbeit der Mitglieder. Die meisten ehrenamtlichen Mitarbeiter sind in den besonders zeitaufwendigen Ämtern der Jugendleiter und Trainer engagiert: Rund die Hälfte der gesamten ehrenamtlichen Arbeit fällt in diesen Ämtern an. Aber selbst die weniger zeitintensiven Ämter wie etwa Vorstandsmitglied oder Aktuar involvieren in der Regel einen Arbeitsaufwand von knapp zwei Stunden pro Woche.

Weitere Informationen zu den Scheizer Sportvereinen: